27.06.2014, SC Zofingen II – FC Hägglingen 4:2

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Freitagabend, bestes Fussballwetter! Was gibt es da schöneres, als eine kleine Tour ins Kanton Aargau?

Zofingen sollte mein erster Ground ausserhalb des Kantons Luzern werden. Und rein optisch war dies bisher der schönste Ground.

Das Stadion Trinermatten wurde im Jahr 1975 eröffnet. Hauptsächlich wird das Areal für Fussball und Leichtathletik genutzt.
Neben dem Stadion gibt es mehrere Rasen- und Kunststoffplätze sowie eine Tennis- und eine Squashanlage. Ausserdem gibts noch eine kleine Anlage für die örtliche Skaterjugend.

Bei meiner Ankunft erstmal Verwunderung: Niemand war zu sehen. Eine halbe Stunde vor Anpfiff war einfach noch niemand da, ausser einigen Leichtathleten, die die Laufbahn um den Platz herum nutzten.

Der nächste kleine Schreckmoment folgte, als ich in der Vitrine vor dem Eingang einen Spielplan fand, auf dem ausgeschrieben war, das heutige Partie bereits um 13:00 Uhr stattgefunden hat. Natürlich war ich skeptisch, dass eine Partie zwischen zwei unterklassigen Mannschaften an einem Freitag um diese Zeit stattgefunden haben soll. Feiertag war auch nicht und football.ch warf eindeutig aus, dass die Partie um 20:00 Uhr angepfiffen werden sollte. Ich war schon im Begriff zu gehen, als ich einige Gestalten mit Trikot aus den Katakomben schlendern sah. Anscheinend war das Gastteam einfach verspätet angereist. Auf kurze Nachfrage beim augenscheinlichen Platzwart folgte die Erleichterung: Spiel findet statt, jedoch mit ein paar Minuten Verspätung. Also genügend Zeit für mich eine kleine Fotorunde zu drehen.

Das Stadion Trinermatten verfügt über lediglich eine kleine Tribüne auf der Hauptseite. Darunter und daneben befinden sich einige Räumlichkeiten, u. A. Krafträume, ein Trainerbüro und diverse Abstellräume. Ich war überrascht welche Möglichkeiten die Sportler hier vorfinden. Die meisten grossen Stadien in der Schweiz werden nicht viel besser ausgestattet sein.

Pünktlich zum Anpfiff begab ich mich auf die Tribüne zum restlichen Publikum, das sich hauptsächlich aus Jugendspielern, die kurz vorher noch auf einem Nebenplatz trainiert hatten, und Familienangehörigen der Spieler zusammensetzte. Mehr als 20 werden es aber nicht gewesen sein.

Das Spiel dann überraschend unterhaltsam. Zwar nur ein Testkick, aber dennoch gingen beide Mannschaften mit einem gewissen Biss an die Sache. Zofingen dominierte die Partie, doch Hägglingen machte die Tore. Schnell stand es 2:0 für die Gäste. Der Anschluss fiel jedoch noch vor der Halbzeit.

Hälfte zwei dann ein ähnliches Bild, mit dem Unterschied, dass Zofingen jetzt richtig aufdrehte und sie Partie tatsächlich noch drehen konnte und dabei teils wirklich ansehnliches Kombinationsspiel zeigte! Dennoch nutzte ich die Zeit für eine weitere kleine Stadionrunde, auf der mir die Entdeckung des Tages glücken sollte.

Auf etwa halber Strecke fiel mir ein Storch auf, der um den Platz kreiste und sich dann auf einem der Flutlichtmasten nieder liess. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkte ich das Nest, welches sich auf diesem befand. Ein wirklich gutes Foto wollte mir zwar nicht gelingen, eine gewisse Romantik hatte das Bild aber schon. Der Storch schien sich nicht durch das Gekicke unter ihm stören zu lassen.

Ich beendete indes meine Runde und verliess pünktlich zum Abpfiff den Ground. Zofingen konnte das Spiel mit einem 4:2 positiv für sich entscheiden.

24.06.2014, FC Sarmenstorf – FC Wohlen 0:7

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Es lockte ein Testspiel zwischen dem FC Sarmenstorf und dem in der Challenge League spielenden FC Wohlen, trainiert von Ciriaco Sforza.

Freundin ins Auto gepackt, bisl Verpflegung verstaut und los ging die ca. eine Stunde dauernde Fahrt vorbei am Sempacher See. Schöne Gegend, nur leider nicht da, wo der Ground liegt. Da hat man in der Schweiz so schöne Landschaften und dann muss dieser Platz ausgerechnet da liegen, wo man davon nicht viel sieht. Quasi in einer Kuhle zwischen den Hügeln. Naja, Ground ist Ground!

Das Spiel konnte dann auch nicht wirklich flashen. Die ca. 150 Anwesenden wirkten auch eher gelangweilt. Einzig der Keeper der Hausherren sorgte mit einigen lustigen Sprüchen für ein wenig Erheiterung.

In der ersten Halbzeit konnte Sarmenstorf noch einigermassen mithalten. In Hälfte zwei ging dann sichtlich die Luft aus, sodass das 0:7 aus Sicht der Gastgeber absolut in Ordnung ging.

Jedoch kam es bei dieser Partie zu einem echten Schockmoment für mich: Meine Lieblingshose riss unreparierbar an einer pikanten Stelle bei dem Versuch über eine Bierbank zu steigen. Bitter, wirklich bitter! Meine Freundin indes freute sich darüber, dass das aus ihrer Sicht „schlabberige Teil jetzt endlich in den Müll kann!“. Ich heulte so lange rum, bis sie mir eine Wurst für satte sechs Franken spendierte. Super Geschmack, zweifellos eine der besten Würste in diesem Jahr. Aber der Preis! Naja, daran muss man sich in der Schweiz wohl gewöhnen. Wenigstens mussten wir keinen Eintritt blechen.

Ein Foto mit Ciriaco Sforza gabs dann auch nicht und so ging es mit hängenden Köpfen nach Hause.

23.06.2014, FC Luzerner Polizei gg. FC Sandhasen Plausch 3:1

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Heutzutage muss man ja aufpassen, was man so im Netz schreibt, wird man doch augenscheinlich immer und überall kontrolliert. Und was erstmal im Netz ist, verlässt dieses auch nicht mehr so leicht.

Aber jedem hier sollte klar sein, für welches der Teams ich eher Sympathien aufbringen konnte. 😉

Kurz zur Situation: Bei dieser Partie handelte es sich um ein Testspiel zwischen zwei sogenannten „Firmensportmannschaften“. So richtig durchschaut habe ich das System hier in der Schweiz noch nicht. Hier gibt es Ligen, in denen ausschliesslich Teams von sich im Umland befindenden Firmen an den Start gehen. Dazu gibt es noch „Plauschmannschaften“, die man am ehesten mit Freizeitmannschaften vergleichen kann. Dennoch wird das Ganze hier irgendwie doch offiziell vom SFV organisiert. Wie gesagt, ich habe das noch nicht so wirklich gerallt, was das jetzt wirklich sein soll. Jedenfalls spielen die beiden Teams auch in der Firmensportliga, die hier den Namen „SFS Life Serie XY“ trägt. Also selbst im Freizeitsport werden hier scheinbar schon die Namen der Ligen an Sponsoren vertickt. Naja…

Zum Spiel: Die Luzerner Polizei heute in weiss, Sandhasen in schwarz. Vom Niveau her war die Partie schwer einzuordnen, da verschiedene Spieler aus verschiedenen Alterskategorien und unterschiedlichstem Niveau dabei waren. Wer übrigens in einer Firmensportmannschaft spielt, darf gleichzeitig nicht auch noch in einer „normalen“ Mannschaft spielen. Also so wirklich „Freizeit“ ist das wohl doch nicht, da es doch schon strenge Regeln wie bei den „richtigen“ Ligen gibt.

Die Cops waren vom Anpfiff weg das spielbestimmende Team, ohne jedoch wirklich gefährliche Torchancen zu kreieren. Bis etwa zur 20. Minute. Der Spieler mit der schönsten Plauze hatte wohl keine Puste mehr für einen Angriff und zauberte etwa auf Höhe der Mittellinie einen Sahneheber aus dem Schuh. Der Keeper stand etwas zu weit vor seinem Kasten und es stand verdient 1:0 für die Luzerner Polizisten. Und diese Kiste war sicher kein Zufallstreffer alâ Kreisklasse. Der Heber war absolut gewollt und der Keeper griff auch nicht daneben, sondern stand da, wo ein Torwart eigentlich stehen sollte, wenn der Ball so weit weg vom eigenen Tor ist. Daher: Lob für diesen feinen Moment. Ich musste applaudieren!

Danach passierte leider nicht mehr viel und so ging es mit einem 1:0 in die Pause.

Kurioserweise dauerte diese irgendwie nur fünf Minuten. In Hälfte zwei die Sandhasen dann mit etwas mehr Biss dabei und es wurde etwas ruppiger, ohne unfair zu werden. Torchancen dann trotzdem Mangelware, was nicht heisst, dass die Partie langweilig war. Ich hatte jedenfalls meinen Spass, genauso, wie der andere Zuschauer auch. 😉

Dennoch war Luzern weiter die tonangebende Mannschaft und erzielte folgerichtig das 2:0 nach einer Ecke und schönem Kopfball am kurzen Pfosten.

Scheinbar waren sich die Cops dann jedoch zu sicher und die Sandhasen kamen wenig darauf zum Anschlusstreffer. Der 9er der Sandhasen legte dabei gekonnt mit der Hacke auf und sein Kollege musste nur noch einschieben. Was die Qualität der Tore angeht war das heute wirklich ne feine Sache!

Danach bekamen die Sandhasen die zweite Luft und drückten die nächsten 5 Minuten gewaltig auf das Luzerner Tor. Dickste Chance dabei wieder ein Sahnekracher aus ca. 30 Metern an das Lattenkreuz. Der Keeper konnte nur noch hinterherschauen und war etwas im Glück, dass er den zurückprallenden Ball nicht an den Rücken bekam, von wo er ins Tor gesprungen wäre.

Danach war es aber auch schon wieder vorbei mit der Sandhasen-Herrlichkeit und Luzern übernahm wieder das Kommando. Die Sandhasen machten gegen Ende der Partie dann hinten auf und kassierten einen Konter der Luzerner, der mit einem schönen Schuss aus ca. 18 Metern ins linke untere Eck abgeschlossen wurde. 3:1, leider völlig verdient.

Kurz darauf war auch Schluss.

Vom Ground her sicher nicht der absolute Kracher. Normaler Kunstrasen, im Hintergrund zwei Hochhäuser und ein Berg, der in der Schweiz sicher nicht einmal Berg genannt wird. Spielerisch natürlich nicht zu vergleichen mit einem Spiel der Profis, dennoch absolut unterhaltsam. Die Jungs dort spielen wenigstens aus reiner Lust am Spiel und haben auch sichtlich Spass dabei. Das ist mehr wert, als irgendwelchen Söldnern zuzuschauen, zu denen man gar keinen Bezug mehr hat und die nur für Verein XY spielen, weil sie dort am meisten verdienen. Aber naja, sowas gibt es im Amateurbereich ja leider inzwischen auch schon.

Alles in allem ging es gegen 22:30 rundum zufrieden nach Hause.

21.06.2014, FC Luzern gg. FC Winterthur 1:0

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Heute gehts ja mal rund!
Morgens noch zwei Rezensionen rausgeknallt, danach zum obigen Testkick nach Malters und jetzt gibt es schon den Bericht. Manch einer meint sicherlich ich hätte keine Hobbys, oder sonst kein Leben. Ich nenne es Aktualität! 😉

Und noch dazu gab es eine Premiere zu feiern. Erstmals in meinem Leben erfolgte meine Anreise zum Ground nicht per Auto, Bahn oder Flugzeug, sondern per Velo! Velo ist btw. das schweizerdeutsche Wort für Fahrrad.

Der Test zwischen dem FC Luzern und dem FC Winterthur sollte nur zwei Orte entfernt von meiner Wohnung in Malters stattfinden. Sportlich lief nicht so viel in den letzten Tagen, sodass ich mich entschloss das Rad zu nehmen.

Nach gut 20 Minuten über Stock und Stein erreichte ich den Ground ca. eine halbe Stunde vor Anpfiff. Der Gastgeber FC Malters hatte für alles gesorgt: Wurst- und Bierbuden, Hamburgerstand, Unterhaltung für die Kids. Das ganze sollte heute ein grosses Familienfest werden. Davon kann man halten, was man will. Meins ist so eine Aufmachung zwar nicht, aber ich verstehe, dass kleine Vereine aus solchen Tests natürlich möglichst viel rausholen wollen. So war der Eintritt mit 10 Franken auch doch recht happig, selbst für hiesige Verhältnisse.

Nach dem Betreten des Grounds drehte ich erstmal eine Runde um den Platz. Eigentlich nicht wirklich eine beeindruckende Location. Anders, als in den umliegenden Dörfern, sticht das Bergpanorama hier nicht so heraus. So liegt der Platz auch etwas versteckt direkt neben der Schnellstrasse nach Luzern. Die Zuschauerzahl wird sich gegen 1.000 bewegt haben, was mich dann doch positiv überraschte. Die Luzerner Szene war scheinbar auch anwesend, zumindest begegneten mir einige ultrige Gestalten auf meiner Runde, eher ich mich auf Höhe einer Eckfahne platzierte.

Von dort verfolgte ich noch ein wenig die Aufwärmübungen der Luzerner, eher die Partie pünktlich auf die Minute angepfiffen wurde.

Es entwickelte sich kein berauschendes Spiel. Kann man zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung auch nicht erwarten. Anders als in Deutschland beginnt die Saison in den oberen Klassen der Schweiz bereits Mitte Juli, sodass beide Teams bereits seit einigen Wochen in der Vorbereitungsphase stecken und dementsprechend wenig agil auftraten. Torchancen Mangelware, geschweige denn, dass irgendeine Form von beeindruckender Spielkultur vorhanden war. Das war heute aber auch irgendwie nebensächlich für die Zuschauer, die eher damit beschäftigt waren Gerstenbrause zu sich zu nehmen, oder ihre Kids zu beschäftigen.

Wenigstens ein Tor sollte dann noch in vor der Pause fallen.
Neuzugang Marco Schneuwly markierte praktisch mit dem Pausenpfiff das 1:0 für den FCL.

Mich indes hielt es nicht mehr auf meinem Platz. Im Laufe der ersten Hälfte gesellte sich eine ziemlich strange Kutte samt seiner beiden Söhne neben mich und kommentierte das Spiel sichtlich angetrunken immer wieder. Ich glaube, dass selbst die Schweizer um mich herum den Typen kaum verstanden haben. Und manch einer wird auch gedacht haben: Schade um die Kinder. Wirklich „gepflegt“ sahen die Kids dann auch nicht aus. Naja, steht mir nicht zu darüber zu urteilen.

Für mich ging es jedenfalls hinter eines der Tore auf einen Hügel, wo wenigstens noch ein wenig Schatten zu erhaschen war.

Kommen wir zu Hälfte zwei. Der FCL wechselte in der Halbzeit einmal komplett durch. Kurioserweise konnte die „zweite Garde“ die ersten zehn Minuten nach Wiederbeginn dann auch deutlich unterhaltsamer gestalten, als ihre Kollegen in Halbzeit Eins es getan haben. Zum Torerfolg führte das jedoch auch nicht mehr und die Partie verflachte wieder.

Gelangweilt gönnte ich mir eine schmackhafte Rivella, ehe ich ca. fünf Minuten vor Abpfiff den Ground verliess und den Rest des Spiels auf dem Velo sitzend von hinter dem Zaun verfolgte. Diffidati con noi!

Danach gings denselben Weg wieder zurück, diesmal nur ein wenig steiler bergauf. Ich muss was an meiner Kondition tun!

Gelesen: Beziehungskiste #13

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Die Beziehungskiste gehört ja schon lange zu meinen favorisierten Groundhopping-Zines. Ausgabe 13 jedoch sticht dabei für mich noch einmal besonders heraus!

160 Spielberichte aus 21 Ländern warten auf den Leser.
Besonders stechen die Touren in den Kaukasus und in die Vereinigten Staaten heraus. Der Schreibstil ist natürlich typisch BZK-like, sodass ich des öfteren ins Schmunzeln kam ob der Anekdoten, die die Jungs aus Zwickau zu erzählen haben. BZK-Stammleser wissen, wovon ich spreche. 😉

Wie bei jeder Ausgabe der BZK kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.

Beziehungskiste #13
DIN A5, 128 Seiten, schwarz-weiss
3,50€