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Gerd Montabauer: Frauenfussball-Allesfahrer

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Vor kurzem habe ich ein wenig in meiner Vergangenheit gekramt. Ich habe da so einen Schrank, wo ich all das, was sich in meiner „Fussballkarriere“ so angehäuft hat, aufbewahre. Dabei bin ich auf ein Foto aus dem Jahr 2011 gestossen, dass mich mit einem alten Weggefährten zeigt. Die Kiste heisst übrigens Facebook.

Dieser Weggefährte ist Gerd Montabauer, seines Zeichens Fan des deutschen Frauenfussballvereins SC 13 Bad Neuenahr, der aktuell in der Regionalliga Südwest auf Punktejagd geht.

Der SC 13 Bad Neuenahr ist, wie die Zahl im Namen schon sagt, im jahr 2013 aus dem SC 07 Bad Neuenahr entstanden. Einem der Frauenfussball-Traditionsvereine in Deutschland. Über Jahrzehnte spiele Bad Neuenahr in der Bundesliga gegen die Grossen mit. Und das als quasi Dorfverein. Bis der Verein 2013 insolvent ging, zwangsabsteigen musste, sich auflöste und unter neuem Namen in die neue Saison startete.

Was mich anbelangt, so bin auch ich mehrere Jahre einen gemeinsamen Weg mit diesem Verein gegangen. Bis zur Auflösung. Warum es dann zum, nennen wir es „Bruch“ kam, lassen wir einmal aussen vor. Inzwischen gräme ich mich nicht mehr, wenn ich den Namen des „neuen“ Vereins höre. Dazu sind dort immer noch zu viele Menschen beteiligt, die ich in den gemeinsamen Jahren schätzen gelernt habe.

Auf den Rängen sind aber leider nicht mehr so viele von diesen Menschen übrig geblieben. Einer jedoch war schon lange vor mir dort. Und ist es immer noch!

Gerd Montabauer kann man getrost als den einzigen Allesfahrer im deutschen Frauenfussball abseits der Bundesliga betrachten. Ein Grund mehr mich mal wieder mit ihm zusammen zu setzen und ein kleines Interview zu führen.

 

Gerd, wir haben uns Ende 2011 beim SC 07 Bad Neuenahr kennen gelernt. Zu dieser Zeit gab es keine ersichtliche Fanszene beim SC 07 Bad Neuenahr. Damals haben wir mit den Celtics Bad Neuenahr eine kleine Gruppe gegründet, die ab da bei allen Spielen des SC 07 anwesend war. Bis zu unserer Auflösung Mitte 2013. Du bist aber schon lange vorher zum SC 07 gegangen. Wie lange genau und welches war dein erstes Spiel?

17.04.06, SC 07 Bad Neuenahr – Hamburger SV 3:0. Damals bin ich aber noch nicht regelmäßig gefahren. Ab 2007 bin ich wesentlich öfter zumindest zu den Heimspielen gefahren.

Welches war dein schönstes Erlebnis in deinen Jahren beim SC 07 bzw. SC 13? Und welches war das Negativste?

Die schönsten Erlebnisse waren sicherlich unsere Touren mit den Celtics Bad Neuenahr (Anm.: Zwischen 2011 und 2013 existierende Fangruppierung beim SC 07), vor allem die Tour zum internationalen Hallenturnier nach Jöllenbeck. Die negativsten: Die Auflösung der Gruppe, und der „Zwangsabstieg“ 2013 in Liga 2.

Nach der Auflösung der Celtics Bad Neuenahr haben sich die wenigen Mitglieder in alle möglichen Himmelsrichtungen zerstreut. Soweit ich weiss bist du sogar der Einzige, der weiter zum SC 07 und jetzigem SC 13 gepilgert ist. Hat sich in der Zwischenzeit wieder sowas wie eine kleine Gruppe gefunden, die regelmässig auch zu den Auswärtsspielen fährt?

Ein Mädel aus der Gruppe sieht man noch bei Heimspielen. Andere sieht man ab und an mal bei den Spielen, aber absolut nicht mehr regelmässig. Es gibt auch einige ältere, die weiterhin kommen und die ich von früher kenne, also aus der „Vor-Celtics-Zeit“. Manchmal verirren sich auch ein paar Leute zu den Auswärtsspielen. Supportmässig läuft da eher nichts mehr. Es ist so wie früher: bei Ecken und Freistößen das rhythmische Klatschen, und bei guten Aktionen gibts Beifall, das wars.
Organisierte Fans oder gar eine Gruppe gibt es aber nicht mehr. Meistens fahre ich alleine zu den Auswärtsspielen, oder gemeinsam mit einem Kumpel. Mal so mal so.

Wie haben sich die Zuschauerzahlen allgemein entwickelt?

Gesunken, und solange die Erfolge ausbleiben werden die auch nicht mehr steigen. Leider.

Kommen wir mal zum Sportlichen. Der SC 13 ist Ende der vergangenen Saison mit nur 5 Punkten aus der 2. Liga in die Regionalliga abgestiegen. Wie hast du die Saison erlebt? Gab es überhaupt so etwas wie einen Höhepunkt?

Ehrlich gesagt, die Saison war einfach nur beschissen. Bei einigen Spielen haben sie gut gespielt, und trotzdem verloren. Höhepunkt war zweifelsohne der Auswärtssieg in Wörrstadt. Da keimte nochmal etwas Hoffnung auf. Die Mädels haben trotz der vielen Niederlagen nicht die Köpfe hängen lassen. Beim letzten Auswärtsspiel in Würzburg sind wir mit dem Mannschaftsbus mitgefahren. Also mein Kumpel und ich. Nach dem Spiel haben wir dann auf der Terasse vom Stadion gesessen, auf die Spielerinen gewartet, und dann zusammen Pizza gegessen. Sijamak Sauer, der Trainer der U17-Bundesligamannschaft, hat uns auch eingeladen nach dem letzten Punktspiel der U17, um gemeinsam den Klassenerhalt zu feiern. Peter Eckhardt, der Stadionsprecher, hat uns auch zu einem kleinen Saisonabschlussfest eingeladen. Es läuft also immer noch alles sehr familiär ab.

Der Verein war 2013 in arge finanzielle Probleme geraten und musste erstmals in seiner Geschichte in die 2. Liga absteigen. Wie hat sich die finanzielle Situation beim Verein seither entwickelt?

Die Lage ist weiterhin nicht rosig. Ein leichtes Plus ist vorhanden und bei der letzten Mitgliederversammlung wurde gesagt, dass es mit den jetzigen Verantwortlichen keine Neuverschuldung geben wird.

In der kommenden Saison geht es also in der Regionalliga gegen Teams aus der Region. Erhoffst du dir sogar einen Anstieg der Zuschauerzahlen durch die vielen Lokalderbys? Oder meinst du, dass es nun noch trister wird im Apollinarisstadion?

Ich denke die Zuschauerzahl wird nicht ansteigen, solange keine Erfolge da sind. Auch nicht bei Lokalderbys. Die „Schönwetterzuschauer“ werden sicher noch seltener kommen.

Meinst du, dass der direkte Aufstieg gelingen kann? Und wie siehst du allgemein die Zukunft des SC 13?

Ich denke nicht, dass es direkt wieder hoch geht. Der Ligaerhalt wird wohl das erste Ziel sein. In der abgelaufenen Saison gab es ja quasi keine Stammelf. Das Team wurde durch Spielerinnen der 2. Mannschaft und der U17 aufgefüllt. Man hat auch gesehen: wenn Erfolge ausbleiben, wirkt sich das auch auf die Moral der Spielerinnen aus. Gegen Saisonende, hatte ich den Eindruck, dass viele in Gedanken schon bei ihren neuen Verein waren. Schon in der Winterpause sind zwei nach Andernach abgewandert. Nach Saisonende sind ihnen fünf weitere gefolgt. Es wäre schön, wenn die jetzige neue Mannschaft Erfolge erzielt und auch zusammenbleibt. Es ist ja quasi der zweite Neuanfang innerhalb eines Jahres.

Dank dir für das Interview und alles Gute für die Zukunft!