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20.09.2014, FK Banik Sokolov – FK Varnsdorf 2:0

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Quasi kein Schlaf blieb mir in der Nacht vor Tourstart, klingelte der Wecker doch bereits um 1 Uhr in der Früh. Die Freundin konnte nur den Kopf schütteln, denn es sollte nach knapp einem Jahr mal wieder ins Mutterland der verpeilten Fans gehen: Tschechien!

Fettige Klobasa, ranzige Stadien, ranzige Hotels, ranzige Autobahnen, ranzige Dörfer und eine Fankultur, die dermassen schlecht ist, dass man sie schon wieder als „kultig“ beschreiben könnte.

In den letzten Jahren hat sich mein Konsum von Hopping-Zines, in denen das östliche Nachbarland Deutschlands eine zentrale Rolle spielt, drastisch erhöht und ich oute mich nun hier: Tschechien ist fussballtechnik mein absoluter Favorit!

Eine Stunde, nachdem der Wecker geklingelt hatte, war ich bereits auf der Autobahn gen Osten unterwegs. In St. Gallen galt es noch meinen Mitfahrer Pascal einzuladen. Wie das bei Hoppern nunmal so ist wurde ein Grossteil der Fahrt mit Laberei über vergangene Touren, Spielbesuche und Erfahrungen geteilt. So musste Pascal etwas länger auf seine nächste Tour nach Tschechien warten: Er war zuletzt 2005 bei nem Länderkick zwischen dem Land der Honzas und Finnland zugegen, damals noch mit Krachern wie Jari Litmanen (damals in Diensten von Hansa Rostock), Pavel Nedved, Jan Koller und Co.!

Meine letzte Honza-Tour datiert aus dem Jahr 2013, als ich u. A. das „grosse“ Prager-Derby zwischen Slavia und Sparta Prag begutachten durfte.

Der erste Kick der Tour führte uns jedoch ins beschauliche Sokolov zu einem Kick der 2. Liga. Gast war der recht unbekannte FK Varnsdorf (wahrscheinlich kennen einige nicht einmal das Heimteam). Der FK Banik hingegen hat schon einige Jahre 1. Liga hinter sich und verfügt in den „West Miners“ auch über eine typische kleine, verpeilte Fanszene, die natürlich nicht mit sinnlosem Support geizte und immer mal wieder in Form von Schlachtrufen und homophoben Gesängen etwas von sich hören liess.

Das Spiel an sich war dann auch unterhaltsamer, als befürchtet. Zwar kann man in der 2. Liga Tschechiens natürlich kein hohes Niveau erwarten, dennoch ging es in der Partie zwischen den beiden unmittelbaren Tabellennachbarn im Mittelfeld der Liga immer wieder hin und her. Mit Torchancen geizten beide Teams nicht, am Ende setzte sich jedoch der Gastgeber verdient mit 2:0 durch.

Das Stadion konnte ebenfalls gefallen. Ein weites Rund mit Laufbahn, einer überdachten Gegengerade, die etwas „neuer“ aussah, als der Rest der Schüssel, und eine sehenswerte Haupttribüne mit VIP-Sitzen, auf die sich aber auch jeder x-beliebige Honza setzte. Immerhin gepolstert war der Spass!

Auch der Zugang zum Stadion ist etwas kurios. Da nämlich eine Brücke über den unmittelbar neben dem Stadion gelegenen Fluss momentan renoviert wird, hat man dort enfach zwei Bretter drüber gelegt und die ankommenden Fans müssen einzeln über diese Bretter balancieren. Abenteuerlich!

Den obligatorischen Gästekäfig gab es natürlich auch in einer der weit gezogenen Kurven. Dieser blieb heute jedoch leer. Zumindest, was Gästefans angeht. Denn ein paar ältere Herrschaften liessen es sich nicht nehmen dennoch im Gästebereich Platz zu nehmen. Völlig sinnlos, da sich im Stadion maximal grob geschätzte 1.100 Zuschauer befanden und auf den Geraden genügend Platz war. Sicher sowas wie die Althauer, die sehnlichst mal wieder auf Gegner in der Tristesse der 2. Liga warten.

Klobasa wollte ich mir dann um 10:15 Uhr noch nicht gönnen. Für Tschechien-Laien: Dort wird in der 2. Liga und abwärts tatsächlich schon um 10:15 Uhr angepfiffen. Für deutsche Verhältnisse jetzt nicht sooo ungewöhnlich, denn ein ganzer Haufen Kreisliga-Kicks wird in der Bundesrepublik teilweise noch früher angepfiffen. In der Schweiz hingegen sieht man derlei Anstosszeiten so gut wie gar nicht.

Die frühe Anstosszeit hielt die Einheimischen dann jedoch auch nicht davon ab, sich die ersten Bierchen zu Gemüte zu führen.

Unmittelbar nach Abpfiff verliessen wir das Stadion, vorbei am „Tanzlokal Hamburg“, in Richtung des nächsten Kicks des Tages…